Zentralität

Die geplante Basisstation Kalkberg befreit nicht die Stadt Köln bzw. den Träger der Luftrettung von der Aufgabe, an den für die Schwerstverletztenversorgung ausgestatteten Kliniken Uni, Merheim und Riehl, Helilandeplätze vorzuhalten, um die Akutversorgung sicherzustellen. Ein Luftrettungszentrum muss deswegen nicht in der City angesiedelt werden, zumal die meisten Einsatzstellen im Kölner Umland liegen. Die innerstädtischen Einsätze können aufgrund fehlender Landemöglichkeiten in dicht bebauten Bereichen gar nicht per Heli abgewickelt werden.

Die Argumente der Stadt Köln für einen zentralen Standort der Basisstation sind folgende:
- bessere Abdeckung des Stadtgebietes, insbesondere der nördlichen Stadtteile Chorweiler und Worringen.
- Erreichbarkeit des gesamten Kölner Stadtgebietes innerhalb von 12 Minuten.

  • geringere Überschneidung mit dem Einsatzbereich des in Koblenz stationierten Rettungshubschraubers.
  • schnellere Andienung der Krankenhäuser nach Umladen der Patienten vom Hubschrauber in den Rettungswagen
  • kürzere Rückwege von den Krankenhäusern zurück zur Basisstation

Zu diesen Punkten ist folgendes anzumerken:

  • Der Bezugsraum für den Rettungshubschrauber Christoph 3 ist nicht das Kölner Stadtgebiet, sondern der gesamte Raum der Köln-Bonner Bucht. Das drückt sich auch in der Finanzierung aus: Die Stadt Köln trägt zwar mit rund 25% den größten Einzelanteil an der Finanzierung des Hubschraubers, dennoch werden 75% von den Umlandgemeinden finanziert. Eine größere Nähe des Rettungshubschraubers zu den dichter bewohnten Stadtgebieten der Kölner Innenstadt klingt zwar zunächst plausibel, ist aber weitgehend unbedeutend, da die Hubschrauber hier nur unter erschwerten Bedingungen eingesetzt werden können und durch das dichte Netz aus Rettungsstationen und Krankenhäusern hier auch in dringenden Fällen Rettungswagen schneller reagieren können.
  • Im selben Maße, wie Chorweiler und Worringen durch den zentraleren Standort schneller angeflogen werden können, werden z.B. Troisdorf, Porz und Wesseling durch die Verlegung des Standortes vom Flughafen an einen „zentraleren“ Standort langsamer erreicht. Denn „zentraler“ gelegen ist der neue Standort nur in Bezug auf das Kölner Stadtgebiet, nicht aber in Bezug auf das Einsatzgebiet des Hubschraubers. Eine „Optimierung“ des Standortes in Bezug auf eine zentralere Lage im Einsatzgebiet müsste als Bezugsgröße nicht das Stadtgebiet Kölns haben, sondern den gesamten Raum zwischen den angrenzenden Stationen im Norden, Süden, Osten und Westen des Landes, also Duisburg, Koblenz, Siegen und Aachen.
  • Die von der Stadt Köln ausgegebene Devise, dass der Rettungsdienst in jedem Teil des Stadtgebietes innerhalb von 12 Minuten einsatzbereit sein sollte, ist aus Sicht der Kölner zwar ehrenwert, zielt aber an der Aufgabe des Hubschraubers, nämlich der bestmöglichen Abdeckung seines gesamten Einsatzgebietes, vorbei. Im Übrigen sind, bei den zugrunde zu legenden Fluggeschwindigkeiten und unter Berücksichtigung der Ein- und Ausstiegszeiten, auch vom jetzigen Standort am Köln-Bonner Flughafen aus, selbst Chorweiler und Worringen innerhalb von 12 Minuten erreichbar. Zudem sollen bis zum Jahr 2015 im nördlichen Kölner Stadtteil Worringen eine neue Rettungswache gebaut sowie zwei Rettungstransportwagen und ein Notarzt-Einsatzfahrzeug in Dienst gestellt werden.
  • In den Grafiken der Stadt Köln zur Überschneidung der Einsatzgebiete von Christoph 3 und des in Koblenz stationierten Rettungshubschraubers taucht der nördlich von Köln, nämlich in Duisburg stationierte Rettungshubschrauber bezeichnenderweise nicht auf. Würde er auftauchen, sähe man, dass im selben Maße, in dem die Überschneidung mit dem Koblenzer Hubschrauber durch die Verlegung des Kölner Standortes nach Norden abnimmt, diejenige mit dem Duisburger Hubschrauber im Norden zunimmt.
  • Die schnellere Andienung der Krankenhäuser nach Umladen der Patienten vom Hubschrauber in den Rettungswagen ist für den Rettungshubschrauber Christoph 3 gar kein Argument, da dieser die Kranken und Verletzten weiterhin direkt in der Uniklinik, dem St. Vinzenz Hospital oder der Klinik in Merheim abliefert, die für die entsprechende Notfallversorgung sowie mit Helilandeplätzen ausgestattet sind und bleiben. Alle anderen Krankenhäuser werden von diesen Landeplätzen aus angedient, jedoch weitgehend durch Verlegungstransporte, nicht durch Rettungseinsätze.
  • Lediglich für das Kinderkrankenhaus an der Amsterdamerstraße, das bisher über einen eigenen Landeplatz verfügt, muss nach der neuen EU-Vorschrift für Hubschrauberlandeplätze in absehbarer Zeit nach einer neuen Lösung gesucht werden. Es ist jedoch kaum vorstellbar, dass schwersterkrankte/-verletzte Kinder zum Kalkberg geflogen, in einen Krankenwagen umgeladen und dann bodengebunden nach Riehl transportiert werden. Erst wird um Sekunden/Minuten gekämpft, um dann nach einem zusätzlich belastenden Umlagern in der Rushhour womöglich auf der Zoo-/Mühlheimer Brücke im Stau zu stehen, wo auch kein Sondersignal weiterhilft. Sinnvoll wäre hier die Lösung nach einer neuen, nahegelegenen Landemöglichkeit, z.B. im Nordpark. Eine Landemöglichkeit für das Kinderkrankenhaus wird deshalb von der Stadt Köln gerade erarbeitet.
  • Somit wird ein Übergabeort vom Hubschrauber in den Krankenwagen lediglich für die seltenen Verlegungstransporte von Patienten durch Christoph Rheinland gebraucht (1-2 pro Woche). Weil hier jedoch kein Zeitdruck besteht, muss dieser Übergabeort nicht zentral gelegen sein. Außerdem ließen sich Übergabeort und Basisstation problemlos entkoppeln. Als Übergabeort könnte ein einfacher Hubschrauberlandeplatz, durchaus auch im Stadtzentrum, fungieren. Christoph Rheinland hat deshalb keinerlei Bedarf für eine zentral gelegene Basisstation.
  • Es bleibt als haltbares Argument für eine zentral (zu Köln) gelegene Basisstation lediglich die kürzeren Rückflugzeiten von den genannten Kölner Krankenhäusern zur Basisstation. Da die Kranken und Verletzten zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits in den Krankenhäusern abgeliefert sind, ist das lediglich ein finanzielles und kein humanitäres Argument (eine Flugminute kostet rund 60 Euro). Die tägliche, mehrfache und massive Ruhestörung von rund 20.000 Bürgern lässt sich damit nicht rechtfertigen.
  • Das Argument Zentralität scheidet deshalb aus. Die Hubschrauberbasisstation könnte sogar außerhalb des Stadtgebiets liegen. Aber dann wären es nicht mehr die Kölner Rettungshubschrauber. Es stellt sich auch die Frage, inwieweit hier Prestigegründe eine Rolle spielen, denn immerhin ist die Luftrettung das Flaggschiff des Rettungswesens, mit dem sich die Stadt und ihre Feuerwehr gerne in der Öffentlichkeit darstellen. Womöglich kommt auch die weithin sichtbare Lage einer Rettungsstation auf dem Kalkberg, an der täglich rund 125.000 Autos vorbeifahren, diesem Darstellungsbedürfnis entgegen. Originalton Stadt Köln: „Zur dauerhaften Absicherung der beabsichtigten Investition empfiehlt das Rechnungsprüfungsamt den Ankauf des Kalkberges. Ein Verzicht auf den Standort Kalkberg könnte zu einer Aufgabe der Kernträgerschaft für die beiden Rettungshubschrauber führen.“

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