Lärm

  • Radius: In der von der Stadt Köln erstellten Matrix zum Vergleich verschiedener Standorte für die Hubschrauberbasisstation wird der Radius für den Vergleich in Punkto „Lärm“ mit 300 Metern angegeben. Woher kommt dieser erstaunlich enge Radius, wenn die Stadt zugleich Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten und Altenheime im Umkreis von 1 km mit Lärmschutzfenstern auszustatten verpflichtet wird und auch das Lärmgutachten der Firma ADU Cologne zur Hubschrauberstation einen Radius von 1000 Metern betrachtet? Zufälligerweise liegen die am Fuße des Kalkbergs gelegenen nächsten Wohnhäuser genau 300 Meter entfernt. Ein Schelm, wer böses dabei denkt? Da sich rund um den Kalkberg jenseits dieser 300-Meter-Linie zu drei Seiten dichte Wohnbebauung befindet, die innerhalb des wohl realistischen 1000 Meter-Radius bereits 25.000 Einwohner beherbergt, blieb denjenigen, die den Kalkberg als Standort auf Biegen und Brechen durchsetzen wollten, wohl nichts anderes übrig als diese kleine, aber wichtige Manipulation.
  • Als der Rat und die anderen politischen Gremien der Stadt 2005 zum ersten mal über die Hubschrauberstation am Kalkberg entscheiden sollten, wurde die bereits geplante, aber noch nicht realisierte dichte, neue Wohnbebauung am Fuße des Kalkbergs zwischen Bauhaus und Köln-Arkaden weder eingezeichnet noch erwähnt und stattdessen das ehemalige CFK-Gelände am Fuße des Kalkbergs in seinem alten Status als Industrie- und Gewerbegebiet betrachtet. Eine Neuberwertung der Situation hat auch später, nach der Realisierung der Wohnbebauung, nie stattgefunden.
  • Lärmkartierung der Stadt Köln: In der Lärmkartierung der Stadt Köln sind die Stadtteile Kalk und Buchforst bereits heute die durch Stadtautobahn, Gleisgürtel und Flughafeneinflugschneise am stärksten verlärmten Teile der Stadt. Von den Verantwortlichen Politikern wurde dies teilweise zum Vorteil für die Hubschrauberstation umgedeutet. So Stadtdirektor Guido Kahlen wörtlich vor laufenden Kameras: „Der Hubschrauberlärm lässt sich im Umgebungslärm darstellen“. Wenn man das in Normaldeutsch übersetzt, bedeutet das nichts anderes als: Hier ist es doch sowieso schon so laut, da spielt das auch keine Rolle mehr. Darin zeigt sich einmal mehr ein für einen Stadtdirektor absolut unzureichendes Verständnis seiner Fürsorgepflicht für die Bürger. Im Grunde genommen müsste jemand nach so einem Satz sofort zurücktreten!
  • Lärmgutachten: Das Lärmgutachten der Firma ADU Cologne (Link) vom Februar 2005 kommt zu dem Ergebnis, dass die durch die Hubschrauber verursachten Lärmemissionen für die Anwohner zumutbar seien. Wer einmal unter einem Hubschrauber gestanden hat, wird sich verwundert die Augen reiben. Verständlich wird das Ergebnis des Gutachtens nur, wenn man bedenkt, dass bei Lärmgutachten alle Emissionen über 12 (bei reinem Tagbetrieb) bzw. über 24 Stunden (bei Tag- und Nachtbetrieb) ausgemittelt werden. Ein Hubschrauber ist keine ständige Lärmquelle wie eine Autobahn. Wer einmal unter einem Hubschrauber gestanden hat, weiß, dass das nicht nur ein sehr lauter, sondern auch ein sehr unangenehmer und bedrohlicher Lärm ist. Den 10 bis 15 mal täglich zu ertragen ist eine schwere Beeinträchtigung. Wenn ich das über 12 Stunden „mittle“, bleibt von dieser schweren Beeinträchtigung statistisch natürlich nur wenig übrig. Aber was sind das für absurde Statistiken? Und warum bekommen, wenn das angeblich so harmlos ist, Schulen, Krankenhäuser, Altersheime, Kitas etc. im Umkreis von 1000 Metern Lärmschutzfenster?
  • Manipulative Grafiken: In der Grafik der Stadt Köln zur Ausbreitung des Hubschrauberlärms in der Umgebung des Kalkbergs wird nicht nur die Lärmausbreitung schematisch völlig falsch dargestellt (Lärm breitet sich nicht Linien- sondern Wellenförmig aus und wird in Blockrandbebauungen und Straßen reflektiert) siehe Anhang Sitzung Gesundheitsausschuss.pdf, sondern auch die Stegerwaldsiedlung im Westen des Kalkbergs wird vollständig unterschlagen, obwohl diese, durch die Lage des „Geländesattels“ (auf dem die Basisstation errichtet werden soll) in Richtung der Stegerwaldsiedlung am stärksten vom Betriebslärm der Basisstation betroffen sein wird. Außerdem führt derjenige Flugkorridor, auf dem über die Stegerwaldsiedlung hinweg der Großteil des linksrheinischen Stadtgebiets erreicht werden soll, am direktesten über Wohngebiet (die anderen 3 Flugkorridore bedienen sich wenigstens schmaler baufreier Streifen entlang von Auto- und Eisenbahnen). Dass ausgerechnet die Stegerwaldsiedlung bei der Diskussion des Standortes kaum bis gar nicht einbezogen wurde, ist angesichts dieser Daten völlig unverständlich, passt aber andererseits ins Bild.
  • Aus der Begründung zur Änderung des Bebauungsplans ehemaliges Madaus-Gelände in Köln-Merheim: „Die üblichen Maßnahmen des aktiven Schallschutzes, wie zum Beispiel eine Schallschutzwand oder ein Schallschutzwall, sind bei Hubschrauberlärm nicht möglich. Der Lärm entsteht über dem Plangebiet.“ Danke für diese klare Feststellung. Warum gilt das in Merheim, aber nicht in Kalk und Umgebung?
  • Nachtflüge: Die Bevölkerung wird beschwichtigt, dass Nachtflüge „nicht geplant“ seien. Zugleich werden aber 600.000 Euro in eine Befeuerungsanlage investiert, obwohl für gelegentliche Landungen nach Einbruch der Dunkelheit auch eine einfache Signalanlage reichen würde. Auch der Inhalt des luftrechtlichen Eignungsgutachtens wirkt wenig beruhigend. Sätze wie  „Betriebseinschränkungen (z.B. Startverbote zu bestimmten Zeiten) sind bei der Widmung des Flugbetriebs nicht vorstellbar“, sollen zwar zunächst nur Ausnahmen für verspätete Heimkehr bei lebensbedrohlicher Situation ermöglichen, halten aber zugleich die Hintertür für einen regelmäßigen Tag- und Nachtbetrieb offen. Nachrichten, nach denen der ADAC seine Hubschrauberpiloten neuerdings verstärkt in Nachtflügen ausbildet, bestärken diesen Verdacht ebenso wie die lächerliche Verlautbarung von Seiten der Stadt, dass die Hubschrauber nachts angeblich gar nicht fliegen könnten.
  • Technik: Schwammige Versprechen auch hier. Für Christoph Rheinland „soll ein leiseres Modell zum Einsatz kommen“. Belastbare Zusagen klingen anders.
  • Ausgleichsmaßnahmen: Die Stadt verspricht den Buchforster Bürgern Flüsterasphalt auf der Stadtautobahn, eine Verkehrsberuhigung von Teilen der Waldecker Straße sowie die Neugestaltung der Buchforster Bahnunterführungen. Obwohl die Stegerwaldsiedlung wesentlich stärker vom Lärm betroffen sein wird als Buchforst, bekommt sie nichts (weil sich hier niemand gewehrt hat?). Die Kalker gehen genauso leer aus. Die Verkehrsberuhigung von Teilen der Waldecker Straße ist im Wesentlichen eine städtebauliche und keine Lärmschutzmaßnahme und die Neugestaltung der Bahnunterführungen hat gar nichts mehr mit Lärmschutz zu tun. Letztere stammt aus dem Ideenkatalog der „Rechtsrheinischen Perspektiven“ und wurde dort als dringende städtebauliche Maßnahme empfohlen. Den Buchforstern solche Maßnahmen jetzt als „Ausgleich“ für Lärm aus der Luft zu verkaufen, ist eine Frechheit. Das gleiche gilt für den Flüsterasphalt auf der Stadtautobahn. Auch der ist seit langem im Gespräch und seine Notwendigkeit unabhängig von der Hubschrauberstation längst erkannt. Den Buchforstern mit solchen ohnehin längst fälligen Lärmschutzmaßnahmen nun eine Hubschrauberstation verkaufen zu wollen, die in der Gesamtbilanz nicht weniger, sondern mehr Lärm bringen wird, ist eine Frechheit und sollte Herrn Kahlen und Kollegen die Schamesröte ins Gesicht treiben. Im Übrigen schreibt die Stadt Köln selber in ihrer Stellungnahme zu einer Anfrage der Linken in der Bezirksvertretung Kalk vom 8.12.2011: „Die mögliche oder geplante Umsetzung der Maßnahmen „Flüsterasphalt auf der B55a“, „Umgestaltung der Waldecker Straße“ und „Attraktivierung der Bahnunterführungen“ ist unabhängig von der Realisierung der Rettungshubschrauberstation auf dem Kalkberg zu sehen.

 

 

 

 

Die Seite „rth.info“ führt selbst ein Beispiel der Lärmauswirkungen (Stand 03.03.2012) durch einen benachbarten Hubschrauber an. Zitat:

„Im September 1972 verlegte man „Christoph 3“ nach Köln-Weidenpesch zum dortigen Heilig-Geist-Krankenhaus. Kaum dort angekommen, fingen die Anwohner über Lärmbelästigung – sich zuerst zu beklagen – und dann zu klagen. Ein Rechtsstreit folgte, der sich über mehrere Jahre hinzog. Nach sieben Jahren wechselte man den Standort und fand für den Tagbetrieb Unterschlupf auf dem Flugfeld der belgischen Heeresflieger in Butzweilerhof. „

 

„[…]so entschied man sich am 22.05.1980 für eine neue Standortverlegung nach Köln-Mehrheim. Drei Jahre sollten aber noch ins Land gehen, bis der Umzug dann auch vollzogen wurde. Am hiesigen Krankenhaus der Stadt Köln entstand ein Hangarneubau mit Sozialräumen, eine schienengebundene Landeplattform sowie eine feste Unterflur-Tankanlage.“

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