Städtebau

  • Der Kalkberg ist der schönste Aussichtspunkt im gesamten rechtsrheinischen Köln und einer der schönsten Aussichtspunkte im gesamten Stadtgebiet. Aber nicht nur das: Er liegt genau im geografischen Schwerpunkt des rechtstrheinischen Köln und hat das Zeug, zur prägenden Landmarke dieses Stadtraumes zu werden. Von seiner Anhöhe schweift der Blick über Kalk, Buchforst, Stegerwaldsiedlung, Stadtautobahn, Kölnarena, Messehochhaus und Dom hinweg bis zum Bayer-Hochhaus in Leverkusen, den Anhöhen von Bergischem Land und Siebengebirge sowie der Industrieskyline von Wesseling und dem Ring der Braunkohlenkraftwerke im Kölner Westen (bei gutem Wetter sieht man sogar den Düsseldorfer Fernsehturm sowie den Bonner Posttower). Von hier aus bekommt man, wie von keinem anderen Ort des rechtsrheinischen Köln, ein Gefühl für die besondere Schönheit der Stadtlandschaft diesseits des Stromes, die ihre Prägung nicht in römischen und mittelalterlichen Wurzeln, sondern in der stürmischen Industrialisierung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erfahren hat. Diese für die Identitätsfindung des rechtsrheinischen Köln strategisch überragende Bedeutung erkannten dem Kalkberg auch einhellig die fünf Entwurfsteams aus Architekten/Stadtplanern und Landschaftsplanern des Workshops „Rechtsrheinische Perspektiven“ zu, der im Herbst 2010 stattfand. Eine Neubewertung der Hubschrauberpläne, die den Kalkberg bis dahin als anonyme Deponiefläche und Niemandsland behandelt hatten, fand daraufhin nicht statt. Zwar erklärte der Rat der Stadt Köln im Anschluss an die Abstimmung zur Hubschrauberstation seine grundsätzliche Absicht, die in einem der Entwürfe angedachte Aussichtplattform zu realisieren, das allerdings mit dem lapidaren Hinweis, dass „für die Kosten der Versiegelung und Umzäunung des Besucherbereichs derzeit keine Finanzierung erkennbar“ sei (aus der Beschlussvorlage vom 11.11.2011). Die Pläne für die Hubschrauberstation ließen die Realisierung einer solchen Plattform zudem nur auf halber Höhe des Berges zu, womit die Plattform nur unwesentlich höher gelegen wäre als die Autobahn und somit eine reine Alibigeste wäre. 
    Workshopergebnisse rrh. Perspektiven.
     
  • Im Entwicklungsplan Köln rechtsrheinisch Nord ist der Kalkberg als öffentliche Grünfläche ausgewiesen. Ebenso im Flächennutzungsplan sowie im Programm Mülheim 2020.
  • Nachbarschaft: Die zu Füßen den Kalkbergs gelegenen Wohnviertel sind charakterisiert durch dichte Bebauung und einen eklatanten Mangel an öffentlichen Grünflächen. Der Kalkberg als freie Erhebung, die auf wenigen Schritten ein Hinübertreten aus Enge in Weite und einen vollkommenen Perspektivwechsel ermöglicht, ist die ideale Ergänzung für diese Quartiere.
  • Die städtebauliche Verramschungdes ehemaligenCFK-Geländes: Das Gelände der ehemaligen Chemischen Fabrik Kalk liegt im geografischen Herzen des rechtsrheinischen Köln. Nach Aufgabe der Produktion der CFK in den 90er Jahren bestand hier die Möglichkeit, auf über 40 Hektar mit zahlreichen architektonisch bedeutenden Industriebauten einen Mittelpunkt für Kalk und das gesamte rechtsrheinische Köln zu schaffen, der sowohl der industriellen Vergangenheit dieses Stadtraumes Rechnung trägt als auch Qualitätsmaßstäbe für die Stadtentwicklung der Zukunft setzt. Diese Chance wurde gründlich vertan. Statt identitätsstiftender Mitte entstand eine städtebauliche Wüstenei, die im gesamten Stadtgebiet ihresgleichen sucht: Eine Shoppingmall, die sich nicht nur zum Stadtteil weitgehend verschließt, sondern diesem auch noch den Zugang zum kärglichen verbliebenen Parkstück verweigert, ein Polizeipräsidium samt Parkhäusern, das vielleicht Sicherheit vermitteln soll, tatsächlich aber so schnöde ist, dass es eine Beleidigung ist und man den Armen Menschen, deren Portraits seit Jahren von der Fassade grüßen, nichts Gutes wünscht, der größte Baumarkt Europas (auch nicht gerade eine städtebauliche Errungenschaft), ein Wissenschaftserlebniszentrum am Rande des Baumarktparkplatzes, dem der Mc Drive daneben den Rang streitig macht, eine Wohnbebauung, die beinahe so schnöde und einfallslos ist wie das Haus der Polizei und die gigantische silberne Box eines Musikalienhändlers – all das sind nicht gerade Ausweise eines Bemühens um Qualität, Identität und Lebenswertheit eines Stadtteils. Wir wehren uns gegen diesen Ausverkauf und auch dagegen richtet sich unser Widerstand gegen die Hubschrauberstation. Denn jetzt auch noch diesen Ort zum reinen Funktionsort verkommen zu lassen und die einzigartige Erlebnisqualität, die er bietet, weitgehend unzugänglich zu machen, wäre eine Pietätlosigkeit. Auch deshalb, weil man von dort oben auf einen Blick mit dem gesamten Murks und der gesamten Schäbigkeit, dessen, was einem da zu Füßen gelegt wurde, versöhnt ist. Woher diese Wirkung kommt, ist schwer ganz erklärbar, aber es ist ein landschaftliches Erlebnismoment, das jeder schon einmal erfahren hat! Es gibt in jeder Stadt nur ganz wenige Orte, die das zu leisten vermögen.Wir fordern von der Stadt Köln, den Kalkberg als das anzuerkennen, was er ist: Ein Landschaftsbauwerk in besonders glücklicher Lage zu seiner nahen wie fernen Umgebung, das es für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und als Landmarke, für die Naherholung und die Identitätsbildung im rechtsrheinischen Köln zu entwickeln gilt. Der Kalkberg ist industrielles Monument, seltener Freiraum in extrem verdichtetem Wohnumfeld und Aussichtspunkt von strategisch unübertrefflicher Lage. Er ist, nicht nur für das rechtsrheinische Köln, ein Ort von zentraler symbolischer und realer Bedeutung, der Stadt entrückt und doch mittendrin. Er ist der Ort in weitem Umfeld, an dem Menschen zusammen kommen können, um sich, im wahrsten Sinne des Wortes, gemeinsam über den Alltag zu erheben. Zitat Bernd Streitberger: „Der Kalkberg könnte ein Katalysator für das rechtsrheinische Köln werden“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Nur leider war Herr Streitberger, nach eigener Aussage, bis zum heutigen Tage selber noch nie dort oben.

    Offener Brief an Bernd Streitberger

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